Felsbilder international

Valcamonica, Italien

Im Jahre 16 v. Chr. Geb. besetzten römische Legionen das nördlich des Iseo-Sees gelegene Camonica-Tal und unterwarfen das dort ansässige Volk der Camuni.

Wie viele andere Völker auf der Liste der "gentes alpinae devictae" (der unterworfenen Alpenvölker) wären auch die Camuni nicht über die Bedeutung einer historischen Fussnote hinausgekommen. Wenn sie nicht - wie kaum ein anderes Volk - über Jahrtausende hinweg die Gewohnheit gehabt hätten, die Felsblöcke und -platten an den Talhängen mit Bildern zu "verzieren".

Bis heute konnten über 300.000 Felsbilder im Valcamonica dokumentiert werden, die uns besser als jedes Geschichtsbuch über das Leben, die wirtschaftlichen Tätigkeiten, die religiösen Gebräuche und Traditionen der prähistorischen Bevölkerung des Tales erzählen.

Die Felsbilderregion des Valcamonica wurde 1972 in die Liste des "Welt-Kultur-Erbes" der UNESCO aufgenommen. Seit Jahrzehnten widmet sich das Forschungszentrum von Capo di Ponte der wissenschaftlichen Auswertung der Bilder. Ein Teil der Fundstellen kann heute in Form eines Nationalparks besichtigt werden.

Carschenna, Schweiz

Beim Bau von Fundamenten für eine Hochspannungsleitung fand man auf der Alpe Carschenna bei Sils eines der bedeutendsten Felsbildvorkommen der Schweiz. Nach dem Abtragen der Humus- und Rasenschicht kamen auf den von Gletschern glattgeschliffenen Felsplatten zahlreiche Punzierungen zutage: vor allem konzentrische Kreise mit einer schalenförmigen Vertiefung in der Mitte, manchmal führt auch eine Linie zu dieser Mitte hin. Daneben gibt es auch Spiralen, Menschen- und Tierddarstellungen, allerdings keine Waffen und Geräte, die für eine Datierung hilfreich wären. Man nimmt an, dass die Felsbilder mit einem gehärteten Metallinstrument hergestellt wurden. Der starke Verwitterungsgrad lässt auf ein relativ hohes Alter schliessen. Herbert Kühn datiert sie aufgrund einer Reiterdarstellung in die Eisenzeit, Urs Schwegler denkt aufgrund verwandter Darstellungen in Irland eher an die Bronzezeit.

Am meisten ist über das Motiv der konzentrischen Kreise gerätselt worden.

Erstaunlich ist, dass dieses Motiv weltweit zu finden ist: in Nordengland ebenso wie in Spanien, auf Hawaii ebenso wie auf den Kanarischen Inseln.

Biedermann deutet es in seinem Buch "Wellenkreise" (1977) als Symbol für das Mysterium von Tod und Wiedergeburt. Da "Carschen" im Romanischen "aufgehender Mond" bedeutet, glauben einige Interpreten auch die Darstellung astronomischer Konstellationen, ja ganzer Kalendersysteme zu erkennen.

Felsbilder aus allen Kontinenten sind in Sonderausstellungen zu sehen