"ART ON THE ROCKS - Afrikanische Felsmalerei"


3. Mai - 15. Oktober 2003

 

Mit den Zeichnungen von Townley Johnson aus der Sammlung der Richemont Art Foundation besteht die Möglichkeit, Felsbilder aus dem südlichen Afrika einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Die in der Ausstellung gezeigten Aquarelle entstanden in den letzten vierzig Jahren und sind vielleicht die einzigen Zeugen der Bilderwelt der "Bushmen/San", die die Zeit überdauern werden. Viele Wissenschafter - Ethnographen, Anthropologen und Archäologen - beschäftigen sich seit mehreren Jahrzehnten intensiv mit den Felsbildern des südlichen Afrika. Doch die Erklärungsversuche und herrschenden Lehrmeinungen sind nach wie vor vielfältig. Als einigermaßen gesichert gilt, dass die Bilder mindestens einige hundert bis fünftausend Jahre alt sind - vielleicht auch älter - und dass sie von den Vorfahren der heutigen "Bushmen/San" geschaffen wurden, einem Jäger- und Sammlervolk, das einst den ganzen südlichen und östlichen Teil Afrikas bevölkerte und heute nur noch in Teilen Botswanas, Namibias und Angolas anzutreffen ist.

(Udo Horstmann, Ausstellungskatalog)

 

Die Felskunst der San ist im wesentlichen religiöser Natur, und obwohl sie einen gewissen Einblick in die Lebensweise dieser Künstler erlaubt, ist sie keineswegs eine Aufzeichnung dessen, was sie getan oder gesehen haben; genauso wenig veranschaulicht sie ihre Folklore. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, die Absicht, die hinter dieser Kunst steckt, zu verstehen, indem man sich die Werke einfach ansieht, auch wenn viele europäische Beobachter genau das versuchten.

Wir sind nicht in der Lage, diese Bedeutung zu erraten, genauso wenig wie ein San, der die Kathedralen der Renaissance besucht, nicht im Stande ist, die Bedeutungen der Glasmalereien zu verstehen, ohne einen Zugang zur Bibel zu haben. Den Schlüssel zum Verständnis der San-Malerei finden wir stattdessen im Glaubenssystem der San.

(Dr. Jeannette Deacon, Ausstellungskatalog)

Langgezogene Figuren mit Stäben und Umhängen. Beachten Sie, dass zwei davon weiße Gesichter haben. Die weiße Farbe verblasst oft schneller als die rote und hinterlässt "Hakenköpfe". Die San berichten, dass sie sich während der Trancezustände langgezogen und größer fühlen.

Clanwilliam, Westkap

Die "Weiße Lady von Brandberg" erregte das Interesse vieler, nachdem sie durch Abbé Henri Breuil während des Aufenthalts in Namibia in den Vierzigerjahren kopiert worden war. Breuils Annahme, es handle sich dabei um eine europäische Frau, möglicherweise aus Kreta, ist ein typisches Beispiel des damaligen Interpretationsdenkens, das sich nicht auf den San-nbsp;Glauben stützte. Bei genauerer Betrachtung kann man jedoch deutlich erkennen, dass es sich um einen männlichen San handelt, dessen Körper für rituelle Zwecke weiß bemalt worden ist.