Im Lauf des 17. Jahrhunderts hatte die böhmische Glasindustrie die
venezianische überholt. Ihre hohe Qualität machte sie zu einer kostspieligen
Ware für Adel und Bürgertum. Die rasch ansteigende Nachfrage bot die
Gelegenheit zum Aufbau eines Hausgewerbes. Dabei setzten die "Waldglasleute"
die an den Glashütten gewonnenen Fachkenntnisse als Glasschleifer, Glasmaler
und Vergolder ein, bemalten Hohlgläser und erzeugten geschliffene Spiegel
und Spiegelglasrahmen für Kupferstiche und Pergamentbildchen. Schließlich
verzichteten sie auf diese und bemalten das freigebliebene Mittelstück selbst.
In den Notzeiten der Siebzigerjahre des 18. Jahrhunderts zogen junge Maler
aus dem nordböhmischen-nbsp; schlesischen Grenzgebiet nach Südböhmen. Sie siedelten
sich in Buchers an. Die ersten Buchers-Bilder unterschieden sich kaum von den
nordböhmischen Bildern. Mit der Zeit wurden die Schliffe reduziert und die
Schattierungen vereinfacht. Der Spiegelbelag verschwand. In den folgenden
Jahrzehnten wurde Sandl zum Zentrum der Hinterglasmalerei. Typisch für Sandl
sind die kräftig zinnoberroten Leibstriche und die Verwendung von Orangerot und
Gold, als Ornament werden häufig symmetrisch angeordnete Obereckblumen
verwendet.

Mit dem Aufkommen billiger Kunstdrucke und dem Auflassen der letzten Glashütten
zeichnete sich das Ende der volkstümlichen Hinterglasmalerei ab. Die
Hinterglasmaler sahen sich mit ihren zerbrechlichen und teuren Produkten der
Konkurrenz in Form von bunten Kunstdrucken ausgesetzt.
Die Ausstellung im Barocksaal des Österreichischen Felsbildermuseums gibt
einen Überblick über die Geschichte der Hinterglasmalerei und über die
verschiedenen Techniken der Herstellung. Hinterglasbilder aus Buchers und Sandl,
darunter Spiegelbilder aus dem 1. Viertel des 19. Jahrhunderts sind zu sehen,
die Anfertigung eines Hinterglasbildes ist in einzelnen Arbeitsschritten erklärt.